Papierlexikon I – Fachbegriffe aus der Industrie verständlich erklärt

Dieser Artikel wurde von ROLLENLAND am 23.01.2017 erstellt

Die Arbeit mit Papier erfordert Kenntnisse verschiedener Papiertypen, sowie auch Wissen um dessen Herstellungs- und Verarbeitungsmethoden. Dabei geht es nicht nur um die „Verwandlung“ von Holz in Papier, sondern auch um die Bearbeitung bestehender Papiervorlagen. Fachbegriffe wie Lignin, „CTMP“ und „De-Inking“ sind Teil des täglichen Sprachgebrauchs unter Papiertechnologen. Folgende Fragen aus der Praxis möchten wir Ihnen in diesem Artikel verständlich machen:

  • Was sind Bleichverfahren und welche Methoden gibt es?
  • Was ist das CTMP-Verfahren?
  • Was ist De-Inking?
  • Was ist Lignin und welche Bedeutung hat es für die Papierherstellung?

Paper and pulp mill

Bleichverfahren: Was ist das und welche Methoden gibt es?

Ob Apothekenrollen, EC-Rollen oder Kassenrollen – weißes Papier stellt die Grundlage vieler Produkte dar. Allerdings ist Papier nicht von Natur aus weiß, sondern muss durch das Bleichverfahren aufgehellt werden. Zu Beginn enthält der Rohstoff Lignin, was später zur Vergilbung des Papiers führen würde. Mit Chlor wird es aus dem Zellstoff entfernt. In Europa bedienen sich Hersteller dafür chlorarmer Methoden, um die Umwelt zu schonen und einen niedrigen AOX-Wert zu erreichen. Dieser Wert (AOX = absorbierbare organische Halogene) geben an, wie hoch der Sauerstoffverbrauch während der Herstellung ist. Dabei ersetzen Chlorverbindungen, etwa Chlordioxyd und Hypochlorid, chemisches Chlor. Neben dem elementar-chlorfrei gebleichten Papier (ECF) gibt es total-chlorfrei-gebleichtes Papier (TCF). Bei dessen Herstellung werden Chlor- durch Sauerstoffverbindungen, wie zum Beispiel Wasserstoffperoxid und Ozon, ersetzt. Das Papier ist bei dieser Methode jedoch nicht ganz rein. Aus diesem Grund nutzen die meisten Hersteller die ECF-Methode. Sie ist am effektivsten – umweltschonend bei einem guten Bleichergebnis.

Timber

Was ist das CTMP-Verfahren?

CTMP ist die Abkürzung für „Chemithermomechanical pulp“, eine Methode zur Zellstoffherstellung. Beim CTMP wird der Holzschliff für die Zellstoffgewinnung eingesetzt. Das Rohmaterial wird bei hohen Temperaturen von bis 100 °C bearbeitet. Schwefelhaltige chemische Stoffe und Wasserdampf dienen der Vorbereitung des Holzes. Im weiteren Verlauf wird das Holz chemisch imprägniert, mit Natriumsulfit und Natronlauge. Durch das Erweichen des Holzes kommt es zu weniger Splitterbildung. Außerdem fällt die nachfolgende Bleichung leicht und das Produkt erhält Stabilität und erreicht einen höheren Bleichegrad.

Recycling concept - bin full of old newspapers, paper, cardboard and egg boxes

Was ist De-Inking?

Wenn Sie ein wenig Englisch sprechen, erahnen Sie die Bedeutung des Wortes vermutlich bereits. Der Begriff „ink“ bedeutet in etwa „Farbe einbringen“ oder „tätowieren“. Die Vorsilbe „de“ gibt an, dass dem Papier Farbe entzogen wird. De-Inking ist ein Prozess beim Papierrecycling, um Druckfarbe aus dem Material zu entfernen. Zum De-Inking gehören auch Flotation (Trennverfahren), Eindickung und Reinigung, um die Produktqualität zu erhöhen. Dabei wird das Altpapier durch mechanische und chemische Bearbeitung von Farbe befreit und zu neuen Artikeln verarbeitet – zum Beispiel Toilettenpapier. Letztlich entscheidet die Qualität des Papiers über seine Verwendung.

Antique book

Was ist Lignin und welche Bedeutung hat es für die Papierherstellung?

Lignin ist ein phenolisches Makromolekül, dessen Fundament diverse Monomerbausteine bilden. Dieser komplexe Stoff kommt in hölzernen Pflanzenteilen vor. Kurz gesagt ist Lignin Holzstoff und der allgemein am häufigsten vorkommende Stoff in der Natur. Je nach Holzart bildet Lignin unterschiedliche Strukturen. Um Zellstoff zu gewinnen, wird es durch verschiedene Prozesse aus dem Rohstoff entfernt. In anderen Verarbeitungsverfahren wird es in das Papier eingearbeitet. Sogenanntes Kraft-Lignin dient als Koppelprodukt und verbindet verschiedene Stoffe miteinander. In der Regel wird der Holzstoff entfernt, um hochwertiges Material zu erhalten. Zu 100 Prozent lässt sich Lignin allerdings nicht herausfiltern, sodass ein geringer Teil in der Zellstoffmasse zurückbleibt. Papier mit hohem Lignin-Anteil vergilbt, weist eine gelbliche bis graue Färbung auf und gilt daher als qualitativ minderwertig. Derartiges Papier wird recycelt beziehungsweise für die Herstellung von Zeitungen und Magazinen verwendet.

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